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Redemptoristenkloster St. Klemens in Heiligenstadt
Kirche


* Seine Wurzel reichen bis in die Mitte des 19.Jhdts (1859/61), als Bischof Konrad Martin (1812 – 1879) - Paderborn (aus Geismar im Eichsfeld stammend) Redemptoristen aus Maria Hamicold (bei Dülmen) bat, bei der Erneuerung der katholischen Kirchengemeinden behilflich zu sein und von deren nachhaltigem Wirken beeindruckt war.

* Gründung war erst 1920 möglich, weil sich zuerst kein geeigneter Standort fand, dann der Kulturkampf (Ausweisung der Redemptoristen aus Deutschland; auch Bischof Konrad Martin starb im Exil) Klostergründungen verhinderte.

* verlorener erster Weltkrieg, Weimarer Verfassung öffnen ein ‚historisches Fenster’; zuerst Bau eines provisorischen Klösterchens (keine Geldmittel; Zwangsbewirtschaftung der Baumaterialien). Patron: Hl. Klemens Maria Hofbauer (1751 – 1820, Redemptorist, 1909 heiliggesprochen, erstes Kloster weltweit mit seinem Patronat!) Sofort großer Zuspruch der Bevölkerung! 1925 Beschluß zum Bau eines Klosters, das den Anforderungen entsprach (Klosterkirche, Kloster mit Raum für Priesterexerzitien) trotz extrem schlechter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen (Geldentwertung November 1923); Bau finanziert mit einer Geldanleihe im Ausland; Baustil ‚sizilianischer Barock’, Architekt A. Weinhag, Essen. Turm nicht gebaut infolge eines (ungerechten) Streiks der Bauarbeiter, die einen 20% über den für Heiligenstadt gültigen Tarif durchsetzten. Eröffnung der Kirche 1927 (provisorische Benedizierung), Bezug des Kloster nach und nach bis 1929.

* 1935 in die von den Nazis inszenierten Devisenprozesse involviert (u.a. wegen der Rückzahlung des ausländischen Kredits), Zuchthausstrafen und hohe Geldstrafen; Zwangsversteigerung des Kloster-inventars im ‚Mainzer Hof’ in Heiligenstadt.

* 1937: Von den Nazis inszenierte ‚Sittlichkeitsprozesse’; obwohl Kloster nicht direkt betroffen, da kaum Arbeit mit Kindern/Jugendlichen: SA umstellt das Kloster und grölt das Lied von den ‚warmen Brüdern’.

* Ab September 1939: Kloster wird Lazarett/Umsiedlerlager: Patres/Brüder können im ‚Klösterchen’ wohnen bleiben und die Kirche betreuen; dadurch wird 1941 eine Beschlagnahmung durch die SS verhindert. Am Ende des Krieges einziges funktionstüchtiges Kloster der Niederdeutschen Ordensprovinz der Redemptoristen, Anlaufpunkt für heimkehrende Soldaten, Zuflucht für Patres und Brüder infolge Flucht und Vertreibung (Schlesien, Sudetenland). Wie durch ein Wunder 1945 von der Besetzung durch die Russen verschont.

* Von 1949-1989 (Sozialismus/DDR) geistliches Zentrum (Exerzitienhaus) fürs Eichsfeld und darüber hinaus, Ausgangspunkt für ungezählte Volksmissionen in der gesamten DDR (Gemeindeaufbau, Integration/geistl. Beheimatung der Flüchtlinge/Vertriebenen, Glaubenserneuerung/-vertiefung; standhalten im ungeheuren sozialistisch/atheistischen Anpassungsdruck). Versammlungs-/Tagungsort für die katholische Geistlichkeit/Bischöfe (abhörsicher!). Wie durch ein Wunder kann die Stasi keinen IM einschleusen/gewinnen. 1964 Gründung und Aufbau der St. Gerhardgemeinde (bis 1989 ca. 5000 Gemeindemitglieder).

* Herbst 1989: Redemptoristen halten in den Stadtkirchen von Heiligenstadt Gemeindemissionen; in der St. Gerhardkirche finden Friedensgebete statt, anschließend ‚Prozessionen’ zum Friedensplatz/Rat des Kreises. Entscheidender Beitrag zum friedlichen/gewaltfreien Verlauf der Wende in Heiligenstadt und im (Ober)Eichsfeld.

* 1992: Das Kloster St. Klemens kehrt (nach vielen Jahren von den DDR-Behörden erzwungener Isolation) in die Kölner Provinz der Redemptoristen zurück (jetzt Provinz St. Clemens). Kloster wird grundlegend renoviert. 1996 kauft die Diözese Erfurt den Grund, auf dem die Klosterkirche steht; das Kirchengebäude selber wird der Diözese ‚geschenkt’; Pfarrhaus, St. Neumann-Haus, Fußballplatz in Erbpacht der Pfarrgemeinde St. Gerhard übergeben.

* Zur Zeit gehören 10 Mitbrüder zur Klostergemeinde. Seelsorgliche/pastorale Aktivitäten: Aushilfen in den Pfarreien; rel. Wochen, Leitung von Exerzitien/Einkehrtagen auf Anfrage (Exerzitienhaus 2008 seitens er Diözese Erfurt geschlossen); täglich Gelegenheit zur hl. Beichte/Beichgespräch.

Klosterführungen auf Anfrage:Tel 03606/608030 Fax: 03606/608055 Sehenswert: Hauskapelle, Bibliothek (Eichsfelder ‚Anna Amalia’), ehemalige Klosterkirche, jetzt Pfarrkirche St. Gerhard, Wandmosaik im Klosterrefektorium, Freilandkreuzweg im Klostergarten; Klosterfriedhof.

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